Das Schmiechtal

Landschaft und Geologie

Das Wandergebiet gehört zum Bereich der von NW nach SO abfallenden Schwäbischen Alb mit den Landschaftsteilen Münsinger Alb, Blaubeurer Alb und Hochsträß.Der geologische Untergrund besteht überwiegend aus den Kalkstein der oberen Schichten des weißen Jura. Die Stufen delta,eplison und zeta treten teilweise geschichtet, teils als Massenkalke auf. Es sind viele Millionen Jahre alte ablagerungen des weltweiten Jurameeres, das sich im hiesigen Raum in einer Tiefe von 80-500m erstreckt hat.
Die sogenannte Klifflinie ist im äußersten Nordwesten des Wandergebietes anzunehmen. Es ist die Küstenlinie einer sehr viel späteren, nochmaligen Meeresüberflutung im Jungtertiär. Dieser letzte Meeresstrand der Schwäbischen Alb trennt die hügelig ausgeformte Kuppenalb von der mehr als Hochebene ausgebildeten Flächenalb. Die Formung unserer Landschaft, in ihrem vielfältigen Wechsel, wie wir sie heute vorfinden, ist aber vor allem der Arbeit der Flüsse und Bäche zu verdanken, die zu Ende des Tertiärs und in der Eiszeit das reizvolle Talsystem in den harten Kalkuntergrund eingegraben haben.
Faszinierendd ist die Flußgeschichte der Donau, die die hiesige Landschaft im östlichen Teil entscheidend geprägt hat.
Vor der Hebung der Albtafel floß die Donau auf dem Nivau der heutigen Albhochfläche. Sie brachte aus dem Aare-Gotthardmassiv Quarzschotter, die heute noch auf den Äckern zu finden sind und Zeugnis ablegen von den früheren Flußverlauf. Mit der starken Hebung und Kippung der Albtafel hielt die Donau zunächst Schritt und tiefte sich zunehmend ein. Die Entstehung des heutigen, verwirrend erscheinenden Schmiech-Aach-Blausystems wird von R. Gradmann einfach erklärt (zit. nach E. Wagner):

a) Altpleistozän: Die Donau fließt etwa 80 m über der heutigen Talsohle und bildet
Schlingen um Meisenberg, Schelklinger Berg und Rucken. Von der Albhochfläche her münden kleine Zuflüsse ein.

b) Beginn der Rißvereisung: Die Donau hat die Meisenbergschlinge und später die Schlinge um den Lützelberg bei Schelklingen abgeschnürt. Die Schmiech ist beim Bahnhof Schmiechen zur Donau durchgebrochen. Wegen der zunehmenden Verkarstung gibt es nur noch wenig Nebenflüsse.

c) Höhepunkt der Rißvereisung: Die Donau hat dasss Schmiech-Blautal verlassen, sie hat sich den kürzesten Weg von Ehingen nach Ulm gesucht. Die Schmiech benutzt das ehemalige Donautal von Schmiechen bis Ulm und schottert kräftig auf.

d) Jungpleistozän: Die Schmiech hat bei Schmiechen auf ihrem Schuttfächer umgedreht und fließt jetzt im alten Donautal, aber entgegen der alten Donaurichtung, von Schmiechen nach Ehingen. Das Talstück zwischen Schelklingen und Ulm wird von den Flüßchen Aach und Blau entwässert.

Neben der landschaftsformenden Arbeit der Flüsse und Bäche wurde die fortschreitende Verkarstung wichtig für das Bild unserer Landschaft. In dem zunächst wasserundurchlässsigen Kalksteingebirge entstanden Spalten und Risse, in die das mit Kohlensäure aus der Luft angereicherte Wasser eindringen konnte. Der Kalk wurde langsam aufgelöst und abtransportiert.

So entstanden laufend größere unterirdische Hohlräume, die, wenn sie an die Oberfläche traten, zu trichterförmigen Vertiefungen, Erdfälle oder Dolinen gennant, führten. Sie stehen heute unter besonderem Schutz, denn sie sind Zeugnisse der Entstehungsgeschichte unserer Landschaft.
Alte Bachtäler, in der Eiszeit in die Alb eingetieft, wurden zu Trockentälern (Tiefental, Sindeltal, Mauental, Heutal u.a.). Das Wasser versickert in dem zerklüfteten Kalkstein undd kommt in starker Schüttung, zum Teil in Quelltöpfen im Tal wieder zum Vorschein. Die Schmiech entsspringt aus einer Felsnische bei Springen so mächtig, daß sie früher unmittelbar danach 2 Mühlen antreiben konnte. Die Schwarzweiherquelle bei Gundershofen wird zur Trinkwasserversorgung genutzt. Hausen, Justingen, Ingstetten, Ennabeuren und Sontheim werden von dort versorgt. In Sondernach entspringen die Quellen der Sondernacher Aach. Urspring- und Aachtopf bei Schelklingen sind die ergiebigsten Quellschüttungen im Wandergebiet. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang auch die Hülen der Alb, mit Lehm abgedichtete Teiche zur Sammlung des Oberflächenwassers, um das Vieh zu tränken. Sie zeigen, wie sich der Mensch gegen Wasserarmut der Alb in früherer Zeit gewehrt hat. Einige Exemplare sind heute noch vorhanden (Osterhüle bei Justingen, Waldengrubhüle bei Hausen). Wegen ihrer gerade für die Alb sehr seltenen Pflanzen- und Tiergesellschaften werden sie sorgfältig geschützt.
Bis vor 2000 Jahren war der hiesige Raum ein weitgehend geschlossenes Waldgebiet, in dem die auch heute noch vorherrschende Rotbuche die wichtigste Baumart war. Die folgenden Rodungsperioden, ausgelöst durch die alemannische Landnahme, drängten den Wald stark zurück. Trotzdem konnte sich hier der Wald auf nahezu der Hälfte der Fläche erhalten, denn die Hänge des Schmiech- und Aachtales und deren Seitentäler widersetzten sich der Landwirtschaft und blieben schon immer weitgehend dem Wald vorbehalten. Wenn auch die Urwälder von einst nicht mehr anzutreffen sind, so konnten sich doch naturnahe Buchenwälder erhalten, angereichert mit Eiche, Esche, Ahorn, Linde, Ulme u.a., die den Zauber der herbstlichen Laubverfärbung erst vervollständigen. Mit der Umstellung der Landwirtschaft von der Wald- und Freilandweide auf die Stallfütterung zu Beginn des vorletzten Jahrunderts standen große Weidegebiete zur Wiederbewaldung heran. Weil man mit den Nadelbäumen bei der Aufforstung die besseren Erfolge hatte, wurden diese, insbesondere die Fichte zunehmend an der Waldgesellschaft beteiligt. Die meisten größeren Nadelwaldgebiete (z.B. Schachen und Bewinde bei Justingen und Ingstetten sind so zu erklären).
Aufgelassene Schafweiden, die man der natürlichen Entwicklung überließ, sind heute als Wacholder- und Baumheiden reichhaltige Biotope. Wegen ihrer besonderen landschaftlichen Schönheit und ihrer Bedeutung als Reservat für seltene Blütenpflanzen und Tiere (z.B. Käfer, Schmetterling, Heuschrecken) stehen sie fast alle unter Landschaftsschutz.
So finden wir heute im Schmiechtal und seiner Umgebung eine vielgestaltige naturnahe Kulturlandschaft vor, die vom erschreckenden Landschaftsverbrauch der vergangenen Jahrzehnte noch weitgehend verschont blieb.
Ausgedehnte Laub- und Nadelmischwälder, gepflegte Äcker und Wiesen, abwechslungsreiche Wacholder- und Baumheiden, kleine Dörfer und Ortschaften, die sich ihren ländlichen Charakter noch erhalten haben, prägen die herbe Schönheit dieser Landschaft, die zum Verweilen einlädt und Ruhe und Erholung bietet.

aus: “Schmiechtal und Umgebung – Schwäbische Alb”

Fremdenverkehrsverein Schmiechtal und Umgebung e.V. und Forstamt Schelklingen mit Wanderkarte 1:25000
89601 Schelklingen